Welche Aufgaben hat ein Manager? Wie entsteht die Anrechtsreihe? Was passiert, wenn das Geld für einen Sologeiger fehlt? Warum verließ sie den Iran und wählte Deutschland als neue Heimat? Shafagh Aghaei, seit Anfang 2026 Managerin des Leipziger Symphonieorchesters (LSO), war dieses Mal der Gast bei „Musik macht Freu(n)de“ und um keine Antwort verlegen. Der Einladung zur Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde und Förderer des LSO waren am 21. April 2026 etwa 40 Interessenten gefolgt.
Bevor sich Shafagh Aghaei im Kulturhaus Böhlen den Fragen des moderierenden Vereinsmitglieds Dr. Wolfgang Hartzsch und des Publikums stellte, gab sie am Klavier eine Kostprobe ihres musikalischen Könnens. Sie spielte ein Stück des iranischen Komponisten Faribors Latschini, ein Lied, das ihr aus Kindertagen im Gedächtnis geblieben ist.
Shafagh Aghaei erblickte 1989 in der iranischen Hauptstadt Teheran das Licht der Welt. Sie war noch ein kleines Kind, als die Familie nach Maschhad zog. In der streng religiösen Stadt im Nordosten des Landes sind Konzerte verboten. Sie erhielt deshalb zunächst privat Klavierunterricht, schaffte später den Sprung an die Kunstuniversität in Teheran und fand in der Oboe ihr Trauminstrument.
Doch im Iran sei es für eine
Musikerin schwierig, erzählte sie. Sie fühlte sich eingeschränkt, auch ihr
Engagement in der „Grünen Bewegung“ blieb nicht ohne Folgen. 23-Jährig kehrte
sie dem Iran den Rücken und folgte ihrer Schwester nach Leipzig. Seit 2021
trägt sie die deutsche Staatsbürgerschaft.
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In der Reihe „Musik macht
Freu(n)de“ stellte sich LSO-Managerin Shafagh Aghaei am 21. April 2026 dem
Publikum im Kulturhaus Böhlen vor. Foto: Frank Prenzel |
Weil ihre Abschlüsse, darunter das Abitur in Mathe und Physik, nicht anerkannt wurden, begann Shafagh Aghaei in Deutschland von vorn. Sie absolvierte ein Fachabitur, machte an der Leipziger Universität ihren Musikwissenschaft-Bachelor und an der Weimarer Musikhochschule ihren Kulturmanagement-Master. Sie arbeitete als Dolmetscherin, als Integrationsmittlerin und wurde schließlich Managerin des MDR-Kinderchores. Für den Job in Böhlen ließ sie 20 weitere Bewerber hinter sich und managt nun einen Klangkörper mit 36 Musikerinnen und Musikern.
Die charmante wie dynamische
Managerin verriet, dass sie mit dem LSO gern mehr Open-Air-Konzerte geben würde
und machte auf die Anrechtsreihe 2026/27 neugierig. Weil der Vertrag von
Chefdirigent Robbert van Steijn endet, werden sechs Gastdirigenten am Pult
stehen.
Zur Veranstaltung „Musik macht Freu(n)de“ lädt der Böhlener Förderverein regelmäßig Musikerinnen und Musiker des LSO ein. Damit will er die Kluft zwischen Bühne und Publikum überbrücken.
Frank Prenzel
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