04 Mai 2026

"Ich gebe alles, dass wir mehr gesehen werden" LSO-Managerin Shafagh Aghaei bei "Musik macht Freu(n)de"

Welche Aufgaben hat ein Manager? Wie entsteht die Anrechtsreihe? Was passiert, wenn das Geld für einen Sologeiger fehlt? Warum verließ sie den Iran und wählte Deutschland als neue Heimat? Shafagh Aghaei, seit Anfang 2026 Managerin des Leipziger Symphonieorchesters (LSO), war dieses Mal der Gast bei „Musik macht Freu(n)de“ und um keine Antwort verlegen. Der Einladung zur Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde und Förderer des LSO waren am 21. April 2026 etwa 40 Interessenten gefolgt.

In der Reihe „Musik macht Freu(n)de“ stellte sich LSO-Managerin Shafagh Aghaei am 21. April 2026 dem Publikum im Kulturhaus Böhlen vor. Fördervereinsmitglied Dr. Wolfgang Hartzsch interviewte sie. Foto: Frank Prenzel

Bevor sich Shafagh Aghaei im Kulturhaus Böhlen den Fragen des moderierenden Vereinsmitglieds Dr. Wolfgang Hartzsch und des Publikums stellte, gab sie am Klavier eine Kostprobe ihres musikalischen Könnens. Sie spielte ein Stück des iranischen Komponisten Faribors Latschini, ein Lied, das ihr aus Kindertagen im Gedächtnis geblieben ist.

In der Reihe „Musik macht Freu(n)de“ stellte sich LSO-Managerin Shafagh Aghaei am 21. April 2026 dem Publikum im Kulturhaus Böhlen vor. Dabei spielte sie am Klavier ein Stück eines iranischen Komponisten aus ihren Kindertagen. Foto: Frank Prenzel

Shafagh Aghaei erblickte 1989 in der iranischen Hauptstadt Teheran das Licht der Welt. Sie war noch ein kleines Kind, als die Familie nach Maschhad zog. In der streng religiösen Stadt im Nordosten des Landes sind Konzerte verboten. Sie erhielt deshalb zunächst privat Klavierunterricht, schaffte später den Sprung an die Kunstuniversität in Teheran und fand in der Oboe ihr Trauminstrument.

Doch im Iran sei es für eine Musikerin schwierig, erzählte sie. Sie fühlte sich eingeschränkt, auch ihr Engagement in der „Grünen Bewegung“ blieb nicht ohne Folgen. 23-Jährig kehrte sie dem Iran den Rücken und folgte ihrer Schwester nach Leipzig. Seit 2021 trägt sie die deutsche Staatsbürgerschaft.

In der Reihe „Musik macht Freu(n)de“ stellte sich LSO-Managerin Shafagh Aghaei am 21. April 2026 dem Publikum im Kulturhaus Böhlen vor. Foto: Frank Prenzel


 Weil ihre Abschlüsse, darunter das Abitur in Mathe und Physik, nicht anerkannt wurden, begann Shafagh Aghaei in Deutschland von vorn. Sie absolvierte ein Fachabitur, machte an der Leipziger Universität ihren Musikwissenschaft-Bachelor und an der Weimarer Musikhochschule ihren Kulturmanagement-Master. Sie arbeitete als Dolmetscherin, als Integrationsmittlerin und wurde schließlich Managerin des MDR-Kinderchores. Für den Job in Böhlen ließ sie 20 weitere Bewerber hinter sich und managt nun einen Klangkörper mit 36 Musikerinnen und Musikern.

 Man müsse „gut verkaufen, was man hat“, umriss Shafagh Aghaei ihre aus Planung, Organisation und Marketing bestehende Arbeit. „Ich gebe alles, dass wir mehr gesehen werden“, sagte sie zur Frage, wie das LSO populärer gemacht werden kann. Sie sei auf digitalen Plattformen sehr aktiv, verteile Flyer und Plakate, das gesamte Team gebe sich große Mühe. Allerdings spiele Geld eine entscheidende Rolle. „Das Budget für Werbung reicht leider nicht.“

In der Reihe „Musik macht Freu(n)de“ stellte sich LSO-Managerin Shafagh Aghaei am 21. April 2026 dem Publikum im Kulturhaus Böhlen vor. Fördervereinsmitglied Maria Gangloff (r.) überreichte ihr nach der Veranstaltung Blumen. Foto: Frank Prenzel

Die charmante wie dynamische Managerin verriet, dass sie mit dem LSO gern mehr Open-Air-Konzerte geben würde und machte auf die Anrechtsreihe 2026/27 neugierig. Weil der Vertrag von Chefdirigent Robbert van Steijn endet, werden sechs Gastdirigenten am Pult stehen.

Zur Veranstaltung „Musik macht Freu(n)de“ lädt der Böhlener Förderverein regelmäßig Musikerinnen und Musiker des LSO ein. Damit will er die Kluft zwischen Bühne und Publikum überbrücken.

Frank Prenzel

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