Emotionale Momente prägten die letzten Konzerte der diesjährigen Anrechtsreihe des Leipziger Symphonieorchesters (LSO) in Böhlen, Borna und Markkleeberg: Chefdirigent Robbert van Steijn nahm nach fünf Jahren Abschied vom Südraum-Klangkörper und verlegt nun seinen Lebensmittelpunkt zur Familie in die Schweiz. Als in Böhlen am 5. Juni 2026 der letzte Ton verklungen war, feierte ihn der Saal mit stehenden Ovationen.
Eine kleine Überraschung und warme Worte für den 62-Jährigen gab es auch
von den LSO-Fördervereinen in Böhlen und Borna.
Bärbel Kühnler wandte sich im Namen des Publikums an den
Generalmusikdirektor. Es seien fünf gute Jahre gewesen, betonte die Vorsitzende
der in Böhlen ansässigen Gesellschaft der Freunde und Förderer des Orchesters.
„Sie bleiben in unseren Herzen.“ Ein Buch zur Böhlener Geschichte und ein von
Vereinsmitglied Maria Gangloff geklöppelter wunderschöner Notenschlüssel sollen
van Steijn an seine Zeit mit dem LSO erinnern. Beim Übergeben brandete starker
Applaus auf.
Großes Hallo auch zwei Tage später in Borna, wo der dortige Förderverein
dem Dirigenten mit einer Zeichnung verblüffte. Der Bornaer Maler und
Porträtkarikaturist Mario König hat van Steijn auf besondere Art und Weise in
Szene gesetzt – ein außergewöhnliches Unikat als Geschenk. Vereinschef Dr. Tino
Schütz und Stellvertreterin Kristina Kügler dankten wie auch Bornas
Oberbürgermeister Oliver Urban für die Zusammenarbeit.
Nach der Konzertpause in Böhlen ergriff zunächst Fagottist Stefan
Balciunas das Wort. „Für viele von uns war Robbert van Steijn nicht nur der
Chefdirigent, sondern ein Kollege, der auch Ratschläge annahm“, lobte er im
Namen des Orchestervorstandes und überreichte als Präsent alle
LSO-Konzertmitschnitte der letzten Jahre und ein Plakat mit den Unterschriften
der Musikerinnen und Musiker.
Van Steijn sei es gelungen, wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Orchesters zu setzen, würdigt das LSO-Team in einer Kolumne im Programmheft des letzten Anrechts. „Sein Dirigat war geprägt von Präzision, Ausdruckskraft und einer tiefen Verbundenheit mit der Musik.“ Böhlens Bürgermeister Dietmar Berndt sprach als Gesellschafter des Klangkörpers von einer „konstruktiven Zeit“. Die Suche nach einem neuen Chefdirigenten läuft bereits.
Der 1964 in Amsterdam geborene Robbert van Steijn studierte Klavier und
Orchesterleitung. Nach mehreren künstlerischen Stationen übernahm er im
September 2021 das Leipziger Symphonieorchester. „Ich habe fünf fantastische
Jahre gehabt“, gestand er vor dem Publikum in Böhlen und rühmte seine
„wundervolle Truppe“. Die Umstände machten das LSO so wertvoll, er wisse, wie
Orchester in dieser Zeit zu kämpfen hätten.
Seinem letztes Anrechtskonzert mit dem Kulturraumorchester gab er eine
besondere Note. Neben Rossini und Beethoven kamen Werke drei neuzeitlicher
Komponisten zu Gehör, die van Steijns Berufsleben kreuzten - und im Saal saßen:
Willem Jeths, Paolo Marzocchi und Eduard de Boer. Auch sie wurden auf der Bühne
gefeiert.
Bei einem anschließenden Empfang würdigten auch LSO-Geschäftsführer Marton
Palko, Röthas Bürgermeister Pascal Németh und Kulturhausleiterin Christiane
Fuhrmann das Wirken des scheidenden Chefdirigenten.
Frank Prenzel




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